Bedroht das Aussterben der Sagopalmfarne (Cycas) Ihre Anlagen?

by | Sep 24, 2019

Bedroht das Aussterben der Sagopalmfarne (Cycas) Ihre Anlagen?

Sonia Fasolo, SRI Fund Manager
Die palmenartigen Cycas sind die am stärksten vom Aussterben bedrohte Palmenart. Ist das beunruhigend? Betrifft uns das als Fondsmanager? Die Antwort lautet: ja! Der 2019-Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES ist unwiderruflich. Rund eine Million Tier- und Pflanzenarten – also jede vierte – ist vom Aussterben bedroht. Dabei spielen viele von ihnen eine wichtige, unersetzliche Rolle für Wirtschaft, Gesundheit, Energieerzeugung, Ernährung oder Luftqualität.

Die Natur erbringt der Weltwirtschaft jedes Jahr kostenlos ökosystembezogene Leistungen (Trinkwasser, Nahrung, Bestäubung, CO2-Absorption usw.) im Wert von 125.000 Milliarden Dollar – das entspricht dem Eineinhalbfachen des weltweiten BIP ! In anderen Worten erzeugen wir in einem Jahr nicht genug Reichtum, um die Leistungen zu bezahlen, die uns die Natur erbringt … Wir sind sogar äußerst verschwenderisch, denn am ײErderschöpfungstagײ, dem 29. Juli, hatten wir bereits sämtliche Ressourcen verbraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres generiert.

Diese Leistungen sind lebenswichtig. So werden beispielsweise 70 % der Medikamente zur Krebsbehandlung aus natürlichen Substanzen erzeugt oder imitieren einen in der Natur zu beobachtenden Mechanismus. Natürliche marine und terrestrische Ökosysteme nehmen 60 % der durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen auf .

Sind auch die Unternehmen betroffen?

Viele von ihnen benötigen die Biodiversität, die uns Inspiration, Rohstoffe und Energie liefert. Die Bedrohung der Biodiversität stellt ein Risiko dar, und die Unternehmen sind verpflichtet, ihre Aktionäre zu informieren: in der Erklärung zur nicht-finanziellen Performance müssen sie auf den Schutz der Biodiversität eingehen. Die Unternehmen spielen beim Schutz der Biodiversität eine wichtige Rolle. Sie können die Ressourcenverschwendung reduzieren, ihren Abfall besser verwalten oder die Auswirkungen des Endes der Nutzungsdauer ihrer Produkte reduzieren. Im Übrigen ist das in ihrem Interesse, da ihre Ressourcen aus der Natur stammen.

Als Beispiel möchten wir L’Oréal anführen, ein in Umweltfragen vorbildliches Unternehmen, da „59 % (mengenmäßig) der vom Unternehmen verwendeten Rohstoffe erneuerbar sind, d. h. 1.567 Rohstoffe, die aus rund 338 Pflanzenarten stammen“. Von diesen 338 Arten „stellen rund 12 % hohe Anforderungen im Zusammenhang mit der Biodiversität (Schutzmaßnahmen, Auswirkungen der Produktion auf die natürlichen Lebensräume usw.)“. Man wird sich problemlos des Risikos bewusst, welches das Aussterben bestimmter Arten für die Kosmetik-, Lebensmittel- oder Pharmaindustrie darstellt.

Ein weiteres gutes Beispiel ist SCA, der größte private Forstbetreiber Schwedens. Für die nachhaltige Bewirtschaftung seiner Wälder muss er 8 % der produktiven Fläche (166.000 Hektar) unberührt lassen. Es handelt sich um Zonen mit hohem ökologischem Wert. Für jeden abgeholzten Baum pflanzt SCA mindestens zwei neue. Darüber hinaus verfügt die Gruppe über die größte Baumschule der Welt, die jährlich über 100 Millionen Jungpflanzen produziert. Diese Praktiken sind notwendig, da mehr als 80 % der Tier- und Pflanzenarten unserer Erde in Wäldern leben. Durch die verantwortungsbewusste Bewirtschaftung sichert sich SCA auch den nachhaltigen Zugang zu einer Ressource, die für die anderen Aktivitäten der Gruppe (Herstellung von Zellstoff, Papier und Baustoffen) unentbehrlich ist.

Genau diese Art von Unternehmen, die in Bezug auf den Schutz der Biodiversität einen großen Ehrgeiz an den Tag legen, suchen wir für unsere SRI-Fonds. Sie sind es, die es durch die korrekte Verwaltung der Risiken im Zusammenhang mit der Biodiversität ermöglichen, auf Dauer die finanzielle Performance zu erzielen, die uns hilft, Erträge für unsere Kunden zu erwirtschaften.

Ab 2021 sollen in der EU Plastikgegenstände wie Strohhalme, Luftballonstäbe und Einmalgeschirr verboten sein. Auch andere Staaten und Regionen gehen gegen die Plastikflut vor: Die kalifornische Stadt San Francisco etwa verbietet seit einigen Jahren Plastiktüten in Supermärkten. Doch trotz neuer Gesetze, die die Produktion einschränken sollen, dürfte das Plastikaufkommen in den nächsten Jahrzehnten dramatisch wachsen.

¹ Weltbiodiversitätsrat, Bericht vom Mai 2019
² Costanza, R. et al., 2014, Changes in the global value of ecosystem services, Global Environmental Change, vol. 26
³ IPBES-Bericht