Tech-Messe CES: Neue Gegner für die Auto-Branche

by | Jan 23, 2020

 Heute ging in Las Vegas die Technologiemesse CES zu Ende. Statt neuer Geräte standen eher Dienste und Features für bestehende Technologien im Fokus. Und: Das Automobil fungiert zunehmend als smartes Gerät auf Rädern und als Abspielfläche für Apps. Um traditionelle Leistungswerte wie Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit oder Reichweite geht es dabei kaum noch. „Lange Zeit lag der Fokus der Hersteller auf der Motorleistung oder dem Design, die Elektronik war nur zweitrangig“ erklärt Mark Lewis, der globale Leiter für Nachhaltigkeitsforschung bei BNP Paribas Asset Management. „Das könnte sich nun rächen und sowohl das Fahrerlebnis und die Automobilbranche selbst völlig verändern.“

Mehr zum Thema lesen Sie im folgenden Kommentar:

Mark Lewis zu den Fahrzeugtrends auf der CES in Las Vegas

Die neuen Autos: Mehr IT als PS

Zum Ende der aktuellen Technologiemesse CES in Las Vegas scheint eines klar: Das Kernstück im Auto der Zukunft ist nicht mehr der Antrieb, sondern die IT. Lange Zeit lag der Fokus der Hersteller auf der Motorleistung oder dem Design, die Elektronik war nur zweitrangig. Das könnte sich nun rächen und sowohl das Fahrerlebnis als auch die Automobilbranche selbst völlig verändern. Schon jetzt sind auf den Messen Fahrzeug-Prototypen mit Firmenlogos zu sehen, die in der Autobranche bisher niemand auf dem Schirm hatte.

Zum einen wird sich mit dem Bedeutungsgewinn der IT und dem schrittweisen Abschied vom Verbrennungsmotor das Verhältnis von Hersteller und Zulieferer neu ordnen: Auf ihre Expertise in der Massenproduktion allein können sich die etablierten Autobauer nicht mehr verlassen, sie müssen jeden Wettbewerb ernst nehmen. Newcomer wie etwa Tesla profitieren nämlich davon, dass Zulieferer wie Continental, Bosch oder ZF standardisierte Einzelteile anbieten, die mit relativ wenig Aufwand zu einem funktionierenden Fahrzeug verbaut werden können. Wenn sich Partner branchenübergreifend zusammentun, hätten selbst namhafte Konzerne das Nachsehen.

Zum anderen ruft der Wandel ganz neue Konkurrenten auf den Plan: Größte Überraschung zum Messeauftakt der CES war etwa die Vorstellung des Elektroautos „Vision-S“ des japanischen Elektronik-Konzerns Sony. Als Experte für Unterhaltungselektronik setzt Sony klar auf Assistenz- und Unterhaltungssysteme. So soll etwa eine intelligente Audio-Steuerung ermöglichen, dass jeder Mitfahrer unterschiedliche Musik hören kann. Aber auch der chinesische Elektroautobauer Beyton zeigte sein seriennahes Modell, in dem übergroße Displays den Innenraum dominieren. Autos sind also künftig eher rollende Kinosäle; die Passagiere sollen Videos streamen, im Netz surfen oder Mails beantworten können. Auch in Sonys Vision-S reicht ein Display fast von Tür zu Tür.

Bei den Autos der Zukunft werden Elektronik, Software und Sensorik zur wichtigsten Kernkompetenz – wichtiger als Motoren und Fahrwerk. Anleger sollten diesen Trend im Hinterkopf behalten, wenn sie die Gesamtstrategie der Auto-Unternehmen in ihrem Portfolio bewerten, und sich fragen, ob ihre Titel (weiterhin) ein erfolgreiches Geschäftsmodell und ein attraktives Investment bieten.

Gleichzeitig wird Herr Lewis am
29.01.2020 auf dem Fondskongress
in Mannheim
um 16:40 Uhr in Saal 9
zum Thema: “Erdöl oder Batterien –

welche Energie macht das Rennen?”
einen Vortrag halten.