Schirmherrschaft – Sustainability Congress 2020

Schirmherrschaft – Sustainability Congress 2020

Wir freuen uns, für den Sustainability Congress 2020 Joschka Fischer als Schirmherrn, Sprecher und Diskussionspartner gewonnen zu haben.

Die Vielseitigkeit der Perspektiven, die er als ehemaliger Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, als hessischer Umwelt- und Energieminister und langjähriger Außenminister der Bundesrepublik Deutschland auf gesellschaftliche und umweltpolitische Veränderungsprozesse einnehmen kann, lassen ihn quasi als Idealbesetzung unserer Schirmherrschaft für den Sustainability Congress 2020 erscheinen. -Umso mehr, als Joschka Fischer für Klartext-Aussagen und hohen Unterhaltungswert bekannt ist.

Wir dürfen gespannt sein, wie Fischer die aktuelle nationale und internationale Umwelt- und Energiepolitik inzwischen kommentiert und wie er vor dem Hintergrund seiner eigenen Biographie den Aufstieg der „Grünen“ und die Rolle außerparlamentarischer Initiativen wie beispielsweise „Fridays for Future“ und „Extinction Rebellion“ beurteilt.

Sustainability Congress 2019: Erfolgreicher Relaunch!

Sustainability Congress 2019: Erfolgreicher Relaunch!

Wie der Verlauf des „Sustainability Congress“ am 5. September zeigt, hat die mehrjährige Unterbrechung der Veranstaltungsreihe zwischen 2013 und 2019 dem Format in seiner nunmehr neunten Auflage keinen Abbruch getan. Es scheint vielmehr so, als hätte die selbst verordnete Pause die Konferenz inhaltlich belebt und in ihrer branchenweiten Akzeptanz weiter gestärkt. Rund 500 Finanzdienstleister und professionelle Investoren waren der Einladung der Drescher & Cie AG in das Kameha Grand Hotel nach Bonn gefolgt und zeigten sich angetan, diese zentrale Informations- und Netzwerkplattform zum Thema „nachhaltige Kapitalanlagen“ endlich wiederbelebt zu sehen.

Entsprechend motiviert, ließen sich die Besucher vom Schirmherrn des  Sustainability Congress 2019, dem ehemaligen Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsminister, Sigmar Gabriel, früh am Morgen auf den Tagungsverlauf einstimmen. Im Anschluss verfolgten sie zahlreiche Podiumsdiskussionen und Workshops und informierten sich an den Ständen der mehr als 40 ausstellenden Asset Manager, Versicherer, Rating- und Research Agenturen.

Zentrale Anlaufstelle des nachhaltigen Gedankenaustauschs bleibt nun in den kommenden Monaten, bis zum nächsten Treffen am 3. September 2020, wie schon in der jüngeren Vergangenheit, wieder die Online-Präsenz der Veranstaltung unter „sustainability-congress.com“. Auf dieser Internetseite können sich Finanzdienstleister mittels Webinaren, Podcasts, Videos und Textbeiträgen laufend rund um „Sustainable Finance“ informieren.

Wollte man die unzähligen Eindrücke, Anregungen und Informationen des Sustainability Congress 2019 zu einem Thesenkatalog ohne Anspruch auf Vollständigkeit verdichten, böte sich vielleicht der folgende an:

1. Der „Sustainability-Gedanke“ ist dabei, die Finanzindustrie nachhaltig zu verändern. Der Regulator, der Wettbewerb, die Nachfrage und der im Eindruck eines übermäßigen globalen Ressourcenverbrauch stehende gesellschaftliche Zeitgeist zwingen Anbieter und Vertriebswege regelrecht dazu, nachhaltige Anlagekriterien in ihre Strategien und Prozesse zu implementieren.

2. Die Komplexität der Thematik und die Vielfalt, mit der sie sich auf die unterschiedlichsten Geschäftsbereiche der Finanzdienstleister auswirkt, ist nicht zu unterschätzen. Sie lässt keine schnellen und einfachen Lösungen erwarten. Es ist ein langer Weg zu einer nachhaltig agierenden Finanzindustrie, der den Akteuren erheblichen Interpretations- und Gestaltungsspielraum belässt.

3. Nachhaltige Selektionskriterien sind vor diesem Hintergrund, wie der bisweilen emotionale Verlauf einzelner Diskussionen zeigt, kein ausschließlich technischer Vorgang, sondern vielfach auch eine Frage der Auffassung und der Konsequenz des Handelns, bisweilen sogar des Charakters.

4. Mit Spannung erwarten die Marktteilnehmer nach den Ankündigungen der EU zum „Sustainable Action Plan“ nun konkrete Vorgaben zur Taxonomie, sowie die Rahmenbedingungen zu einer nachhaltigeren Beratung der Kunden. Von diesen Details wird es abhängen, wie und mit welchen Auswirkungen der Gesetzgeber in die Räder der Finanzindustrie greift und wie diese Initiative beurteilt werden muss.

5. Die augenblickliche Dynamik des Themas und das Ausmaß seiner öffentlichen Wahrnehmung sind erfreulich, bergen aber die Gefahr von Aktionismus und Green-Washing. Ihnen muss, wo möglich, begegnet werden. Dessen ungeachtet steht zu erwarten, dass die Pioniere des Sustainability-Gedankens im Marketing-Getöse einer mehr und mehr auf Nachhaltigkeit bedachten Finanzindustrie in der Weise an Profilschärfe einbüßen, als ihnen ein Alleinstellungsmerkmal verloren zu gehen droht.

Zur Fotogalerie des Sustainability Congress 2019 und veröffentlichten Präsentationen einzelner Workshops, geht es hier:

 

Der Countdown läuft, noch 8 Wochen bis zum Congress!

Der Countdown läuft, noch 8 Wochen bis zum Congress!

Björn Drescher (Vorstand Drescher & Cie AG) zum aktuellen Stand der Planungen für den Sustainability Congress 2019
Resumée zum Petersberger Treffen 2018: „ESG und Impact Investments…

Resumée zum Petersberger Treffen 2018: „ESG und Impact Investments…

Björn Drescher (Vorstand Drescher & Cie AG) mit einem Fazit aus dem vergangenen Petersberger Treffen, das am 8. November 2018 unter dem Motto „ESG & Impact Investments: rettet Geld die Welt?“ stand.

„ESG“: ein Akronym erobert die Finanzindustrie | Blog-Beitrag von Drescher & Cie

„ESG“: ein Akronym erobert die Finanzindustrie | Blog-Beitrag von Drescher & Cie

Akronyme, also aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildete Kurzworte haben in der Finanzindustrie gute Tradition. Man denke nur an MENA, EMEA, BRIC, ETF etc. Seit einigen Jahren schon, macht nun das Kürzel „ESG“ die Runde und scheint die Branche im wahrsten Sinne des Wortes „nachhaltig“ zu verändern.

Erstmalig tauchte die Abkürzung „ESG“ vermutlich im Jahre 2004 im Zuge des UN Global Compact auf, – einem Pakt zwischen den Vereinten Nationen und weltweiten Unternehmen mit dem Ziel die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten und die Firmen zu einer verantwortungsvolleren Unternehmensführung anzuleiten.

ESG steht für „Environment, Social und Governance“. „Environment“ meint in diesem Zusammenhang unter anderem einen effizienteren Umgang mit Energien und Rohstoffen, Investitionen in erneuerbare Energien, eine umweltverträglichere Produktion, eine geringere Belastung, um nicht zu sagen Verschmutzung von Wasser, Boden und Luft, sowie eine Bekämpfung des weltweiten Klimawandels. „Social“ impliziert neben anderen Aspekten die konsequente Einhaltung von Arbeitsrechten, die Vermeidung von Diskriminierungen, den Gesundheitsschutz, faire Arbeitsbedingungen, eine angemessene Belohnung und gleiche Aus- und Weiterbildungschancen für alle. „Governance“ schließlich zielt vor allem auf die Unternehmensführungen ab und fordert transparente Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption und Bestechung ein, sowie eine Verankerung des Nachhaltigkeitsgedankens auf den Vorstands- und Aufsichtsratsebenen.

An Definitionen oder gar Kriterien zum einheitlichen Verständnis und Vergleich ESG basierter Anlagestrategien mangelt es bis heute. Wirbt ein Fonds beispielsweise damit „ESG-konform“ zu arbeiten, verbleibt damit immer noch ein ganz erheblicher Interpretationsspielraum dessen, was damit gemeint sein könnte. Es empfiehlt sich also allein schon von daher, einzelne Ansätze, und konkrete Produkte detailliert zu hinterfragen.

Die Fondsbranche kennt viele Anglizismen rund um das Thema nachhaltiger Investments: beispielsweise „Sustainability“, „Social Responsible Investments (SRI)“, „Impact-Investing“, „Green Money (Property)“, „Engagement“, etc. Umso bemerkenswerter erscheint es, dass ein erst vergleichsweise spät geprägter Begriff, mit die größte erkennbare Dynamik in jenen laufenden Prozess gebracht hat, an dessen Ende eine nachhaltige Wirtschaft stehen soll. Insbesondere institutionelle Investoren bekennen sich heute in zunehmendem Maße zu ESG-Kriterien. Nicht zuletzt von daher, als der Begriff „Governance“ ihnen angesichts der Industrieskandale der letzten Jahre, man denke nur etwa an Diesel-Gate“, ein brauchbarer zusätzlicher Risikoindikator zu sein scheint.

Sagen wir es einmal so: private Anleger zeigen schon seit langem Sympathien für nachhaltige Investmentansätze, institutionelle Investoren fordern sie mittlerweile regelrecht ein und reale Renditen entsprechend spezialisierter Fonds belegen immer öfter in der Praxis, was Meta-Studien bereits in der Theorie bewiesen haben: nachhaltige Filter müssen keine Performance kosten! Im Zuge dessen klingt die Diskussion über die These der Priorität von Fressen vor Moral langsam ab.

Richtig Schwung kommt aber jetzt auch noch von einer anderen Seite in die Sache. Denn der Gesetzgeber macht erkennbar regulatorischen Druck. So hat beispielsweise die EU-Kommission im Zuge ihres Sustainable-Action-Plan zu verstehen gegeben, dass sie sich an die Spitze der Bewegung stellen und die Rahmenbedingungen verändern will. Die von ihr jüngst veröffentlichten Gesetzgebungsvorschläge zur „Förderung eines nachhaltigen Finanzsystems“ sprechen eine klare Sprache. Sie umfassen Regelungen für die Klassifizierung nachhaltiger Aktivitäten, Transparenzvorschriften für Asset-Manager und Vermögensverwalter hinsichtlich entsprechender Aktivitäten, sowie die Vorgabe, ESG-Neigungen der Kunden in den Geeignetheitstests im Zuge der Anlage- und Versicherungsberatung zu berücksichtigen. Wollte man zwischen den Zeilen lesen, kann man erkennen, wozu hier die Initiative ergriffen wird. Es geht um nicht mehr, aber auch nicht weniger als den Versuch, mit gesellschaftlicher Rückendeckung bestehende Kapitalströme zu Gunsten einer nachhaltigeren Wirtschaft umzulenken.

Und es spricht viel dafür, dass diese Bewegung weiter an Kraft gewinnt. Ist sie doch, wie ein Blick auf den Zustand unserer Umwelt zeigt, dringend notwendig. Zudem fordert die Politik Massnahmen, die in Teilen der Finanzindustrie ohnehin bereits gelebte Praxis sind, lenkt von anderen Defiziten der EU in angenehmer Weise ab, macht sich im Vorfeld der nächsten Europawahl gut und lässt sich obendrein auch problemlos in die laufende Finanzmarktregulierung integrieren. Wer will dagegen sein? – Nicht einmal die betroffene Finanzindustrie, die ihre Chance wittert, neue Stories und höher margige Produkte an den Mann und die Frau zu bringen.

Mit Spannung darf man aber erwarten, wie konkret die Vorgaben werden und auf welche Definitionen und Standards man sich verständigen kann. Die Details werden am Ende darüber entscheiden, ob wir es mit großen Feigenblättern zu tun bekommen, die man sich vor sein konventionelles Asset Management hält oder um nachhaltige Veränderungen der Investmentbranche. Deutlich wird das vielleicht am Beispiel amerikanischer Staatsanleihen. Unter nachhaltigen Gesichtspunkten sind sie quasi gleich welcher Kriterien man sich bedient, nicht investierbar. Das Land bezieht ein Fünftel seines Stroms aus Atomkraftwerken, praktiziert in einigen Bundesstaaten bis heute die Todesstrafe, hat das Kyoto-Protokoll nie ratifiziert, sein Bekenntnis zu den Beschlüssen des Weltklimagipfel in Paris zur Begrenzung des CO2-Ausstoßes widerrufen und gehört zu den größten Waffenexporteuren der Welt. Würde man einen konsequenten Ausschluss der US-Staatsanleihen verfolgen, beraubt man sich aber nicht nur eines riesigen Teils seiner investierbaren Universums, sondern würde vor allem auch die eigene Liquidität drastisch einschränken.

Denkt man einmal 20 Jahre zurück, hat sich mit Blick auf nachhaltige Investmentansätze schon viel getan. Galt man als Verfechter entsprechender Strategien und Filter lange Zeit als Weltverbesserer und wurde in Einzelfällen sogar nach Spendenquittungen gefragt, wird einem heute von allen Marktintermediären ein weitaus größerer Respekt entgegen gebracht. Und wagt man einen Blick in die Zukunft, könnten sich nachhaltige Selektionsfilter regelrecht zu einem Hygienefaktor des Asset Managements entwickeln. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen die UN-Prinzipien für verantwortungsvolles investieren, die „Principles for Responsible Investment (PRI) unterschreiben, mit nachhaltigen Research-Instituten kooperieren oder eigene ESG-Datenbanken aufbauen und bestehende Produkte adaptieren oder neue auflegen.

Wer in der Fondsbranche auch zukünftig sein Geld verdienen will, sei er nun Anbieter, Vertrieb oder Berater, wird sich vor diesem Hintergrund so oder so mit dem Themenkomplex beschäftigen müssen. Nicht einmalig, sondern laufend.