Saudi-Arabien vs. Russland: radikaler Neubeginn für die Ölmärkte?

Saudi-Arabien vs. Russland: radikaler Neubeginn für die Ölmärkte?

Saudi-Arabien vs. Russland: radikaler Neubeginn für die Ölmärkte?

Der Ölpreis hatte zuletzt deutlich nachgegeben: Brent-Öl, der wichtigste Referenzpreis am Markt, ist erstmals seit 2016 unter 30 Dollar pro Fass gefallen. Grund dafür ist die sinkende Nachfrage angesichts der Corona-Pandemie. Dazu kommt der Streit zwischen den Produktionsländern Saudi-Arabien und Russland über eine Drosselung der Förderung zur Preisstabilisierung: Saudi-Arabien hatte eine Steigerung seiner Ölproduktion angekündigt und startete so einen Preiskampf mit Russland.

„So weit, so einfach: Der saudische Schachzug war ein Machtspiel, der darauf abzielt, die Vormachtstellung des Königreichs gegenüber den anderen Anwärtern auf den Titel als größten Ölproduzenten der Welt zu behaupten“, erklärt Mark Lewis, der Leiter für Nachhaltigkeitsforschung bei BNP Paribas Asset Management. Und fragt weiter: „Aber was ist, wenn an der Sache mehr dran ist? Was, wenn dies ein radikaler Neubeginn in der Geschichte der Ölmärkte ist?”

Mehr zum Thema lesen Sie im folgenden Kommentar von Mark Lewis:

Mark Lewis zu den aktuellen Entwicklungen an den Ölmärkten


Ändert Saudi-Arabien jetzt, in Zeiten der Dekarbonisierung, seine Strategie?

Wer auf den billigsten und reichlich sprudelnden Ölvorräten der Welt sitzt, hat doch ein Interesse daran, in den nächsten Jahrzehnten so viel wie möglich davon zu verkaufen, während das globale Energiesystem von Kohlenwasserstoffen Abstand nimmt, oder?

Es könnte daher auch eine radikale Neubewertung hinter dem dramatischen Schritt Saudi-Arabiens stehen. Wenn nämlich Saudi-Arabien Ländern wie China und Indien langfristige Kaufverträge für große Mengen Öl zu einem Festpreis von – sagen wir mal – 40 bis 50 Dollar pro Barrel anbietet, wäre dies eine Win-Win-Strategie, sowohl für das Königreich als auch für die größten Importländer. Saudi-Arabien bekäme langfristige Planbarkeit und einen Preis, der immer noch enorme Gewinne abwirft. Und China und Indien würden langfristige Versorgungssicherheit zu erschwinglichen, stabilen Preisen erhalten.

Geht man von erforderlichen Investitionen von geschätzt 25 bis 30 Milliarden Dollar pro einer Million Barrel pro Tag zusätzlicher Kapazität aus, würde es Saudi-Arabien im nächsten Jahrzehnt etwa 200 Milliarden Dollar kosten, 7,5 Millionen Barrel pro Tag zusätzlich zu fördern. Das erhöht sein Potenzial auf 20 Millionen Barrel pro Tag. (Das Königreich produziert derzeit etwa 10 Millionen Barrel pro Tag, hat aber noch etwa 2,5 Millionen freie Kapazitäten.)

200 Milliarden Dollar sind, selbst für Saudi-Arabien, eine Menge Geld. Aber: Unter der Annahme, dass die operativen Förderkosten 10 Dollar pro Barrel betragen und dass eine Hälfte der künftigen Produktion weiter zu Marktpreisen verkauft wird, während die andere Hälfte zu einem Festpreis von 45 Dollar pro Barrel an asiatische Importeure geht, beträgt der jährliche Betriebsgewinn allein aus diesen 10 Millionen Barrel pro Tag 130 Milliarden Dollar im Jahr – oder 2,6 Trilliarden Dollar über 20 Jahre.

Mit anderen Worten: Die Vorabinvestitionen dieser hypothetischen Zusatzproduktion wären in nur 18 Monaten gedeckt. Gleichzeitig ermöglicht dieses Szenario dem Königreich, die Preisflexibilität für die anderen 10 Millionen Barrel zu erhalten und so von eventuellen Preisspitzen zu profitieren.

Die Geschwindigkeit, mit der die Regeln des Energiemarktes derzeit umgeschrieben werden, bedeutet, dass der größte Ölproduzent der Welt jeden Anreiz hat, ein solches Szenario durchzuspielen. Die aktuelle Volatilität auf den Ölmärkten ändert nichts an dem grundlegenden Punkt: Von nun an wird Öl zunehmend mit den erneuerbaren Energien konkurrieren und von allen Ölproduzenten der Welt ist Saudi-Arabien bei weitem am besten positioniert, um auf diese Herausforderung zu reagieren.

Kurz gesagt, so dramatisch wie die Ereignisse der letzten Zeit auch waren, in dieser Ära der Umwälzungen in der Energieversorgung sind sie womöglich nur ein Vorgeschmack, verglichen mit dem, was mit dem Ende des Ölzeitalters in Sicht kommt.

Saudi-Arabien vs. Russland: radikaler Neubeginn für die Ölmärkte?

BNP Paribas Asset Management begrüßt EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzen

BNP Paribas Asset Management begrüßt EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzen

Die technische Sachverständigengruppe für nachhaltige Finanzen der Europäischen Kommission (TEG) hat ihre Abschlussberichte mit Empfehlungen an die Europäische Kommission veröffentlicht und damit die Grundlage für ein EU-weit einheitliches Regelwerk zur Definition nachhaltiger Kapitalanlagen geschaffen. Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungsinstrument, das wirtschaftliche Aktivitäten und Leistungskriterien festlegt, die mit dem langfristigen Ziel Europas im Einklang stehen, die CO2-Emissionen bis 2050 auf Netto-Null zu reduzieren und so dem Klimawandel aktiv entgegenzuwirken.

Der TEG-Bericht definiert Nachhaltigkeitskriterien für 70 Wirtschaftsaktivitäten in Sektoren, die insgesamt 93% der europäischen Emissionen erzeugen. Dies bedeutet, dass wirtschaftliche Aktivitäten wie Stromerzeugung, städtischer Verkehr, Ackerbau und Zementherstellung innerhalb von Finanzprodukten als ökologisch nachhaltig eingestuft werden können, sofern sie die festgelegten Taxonomie-Kriterien erfüllen. Die Europäische Kommission wird nun Rechtsinstrumente entwickeln, um die Kriterien rechtlich wirksam werden zu lassen.

Helena Viñes Fiestas, Global Head of Stewardship and Policy bei BNP Paribas Asset Management und Mitglied der technischen Sachverständigengruppe der Europäischen Kommission für nachhaltige Finanzen kommentiert: „Die Taxonomie stellt neue Spielregeln für die Branche auf. Sie gibt einen klaren Weg für den Übergang hin zu einem klimaverträglichen Wirtschaften in verschiedenen Sektoren vor. Damit unterstützt sie Unternehmen und Investoren bei der Planung ihrer Maßnahmen und der Berichterstattung über den konkreten Beitrag, den sie zu einer kohlenstoffarmen und nachhaltigeren Wirtschaft leisten. Für Vermögensverwalter wie BNP Paribas ist die Taxonomie deshalb ein wertvolles Instrument bei der Ausgestaltung unserer nachhaltigen Portfolios und der Zusammenarbeit mit den Unternehmen. Sie ermöglicht zudem eine konsistente Berichterstattung über den prozentualen Anteil jedes Fonds, der als nachhaltig klassifiziert ist. Das schafft Transparenz für Endanleger, die dann tatsächlich ‚Äpfel mit Äpfeln‘ vergleichen können.“

Bisher gab es keine einheitliche Definition, welchen Kriterien eine nachhaltige Anlage erfüllen muss. Nachhaltige Finanzierungen spielen jedoch eine entscheidende Rolle dabei, dringend benötigte Finanzmittel zu mobilisieren, um Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Klare Instrumente und Leitlinien geben Unternehmen und Investoren die notwendige Orientierung und das Vertrauen, um entschlossen zu handeln. Damit setzt die EU im globalen Kampf gegen den Klimawandel auch ein wichtiges Zeichen für andere Märkte. Denn letztendlich wird jeder Markt für sich selbst definieren müssen, welche ökologische Performance notwendig ist, um seine jeweiligen Klimaziele zu erreichen.

Tech-Messe CES: Neue Gegner für die Auto-Branche

Tech-Messe CES: Neue Gegner für die Auto-Branche

Tech-Messe CES: Neue Gegner für die Auto-Branche

 Heute ging in Las Vegas die Technologiemesse CES zu Ende. Statt neuer Geräte standen eher Dienste und Features für bestehende Technologien im Fokus. Und: Das Automobil fungiert zunehmend als smartes Gerät auf Rädern und als Abspielfläche für Apps. Um traditionelle Leistungswerte wie Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit oder Reichweite geht es dabei kaum noch. „Lange Zeit lag der Fokus der Hersteller auf der Motorleistung oder dem Design, die Elektronik war nur zweitrangig“ erklärt Mark Lewis, der globale Leiter für Nachhaltigkeitsforschung bei BNP Paribas Asset Management. „Das könnte sich nun rächen und sowohl das Fahrerlebnis und die Automobilbranche selbst völlig verändern.“

Mehr zum Thema lesen Sie im folgenden Kommentar:

Mark Lewis zu den Fahrzeugtrends auf der CES in Las Vegas

Die neuen Autos: Mehr IT als PS

Zum Ende der aktuellen Technologiemesse CES in Las Vegas scheint eines klar: Das Kernstück im Auto der Zukunft ist nicht mehr der Antrieb, sondern die IT. Lange Zeit lag der Fokus der Hersteller auf der Motorleistung oder dem Design, die Elektronik war nur zweitrangig. Das könnte sich nun rächen und sowohl das Fahrerlebnis als auch die Automobilbranche selbst völlig verändern. Schon jetzt sind auf den Messen Fahrzeug-Prototypen mit Firmenlogos zu sehen, die in der Autobranche bisher niemand auf dem Schirm hatte.

Zum einen wird sich mit dem Bedeutungsgewinn der IT und dem schrittweisen Abschied vom Verbrennungsmotor das Verhältnis von Hersteller und Zulieferer neu ordnen: Auf ihre Expertise in der Massenproduktion allein können sich die etablierten Autobauer nicht mehr verlassen, sie müssen jeden Wettbewerb ernst nehmen. Newcomer wie etwa Tesla profitieren nämlich davon, dass Zulieferer wie Continental, Bosch oder ZF standardisierte Einzelteile anbieten, die mit relativ wenig Aufwand zu einem funktionierenden Fahrzeug verbaut werden können. Wenn sich Partner branchenübergreifend zusammentun, hätten selbst namhafte Konzerne das Nachsehen.

Zum anderen ruft der Wandel ganz neue Konkurrenten auf den Plan: Größte Überraschung zum Messeauftakt der CES war etwa die Vorstellung des Elektroautos „Vision-S“ des japanischen Elektronik-Konzerns Sony. Als Experte für Unterhaltungselektronik setzt Sony klar auf Assistenz- und Unterhaltungssysteme. So soll etwa eine intelligente Audio-Steuerung ermöglichen, dass jeder Mitfahrer unterschiedliche Musik hören kann. Aber auch der chinesische Elektroautobauer Beyton zeigte sein seriennahes Modell, in dem übergroße Displays den Innenraum dominieren. Autos sind also künftig eher rollende Kinosäle; die Passagiere sollen Videos streamen, im Netz surfen oder Mails beantworten können. Auch in Sonys Vision-S reicht ein Display fast von Tür zu Tür.

Bei den Autos der Zukunft werden Elektronik, Software und Sensorik zur wichtigsten Kernkompetenz – wichtiger als Motoren und Fahrwerk. Anleger sollten diesen Trend im Hinterkopf behalten, wenn sie die Gesamtstrategie der Auto-Unternehmen in ihrem Portfolio bewerten, und sich fragen, ob ihre Titel (weiterhin) ein erfolgreiches Geschäftsmodell und ein attraktives Investment bieten.

Gleichzeitig wird Herr Lewis am
29.01.2020 auf dem Fondskongress
in Mannheim
um 16:40 Uhr in Saal 9
zum Thema: “Erdöl oder Batterien –

welche Energie macht das Rennen?”
einen Vortrag halten.

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Die im Juni 2015 eingeführte Multi-Faktor-Aktienstrategie von BNP Paribas Assetmanagement kombiniert sowohl Potenzial zu einer Outperformance als auch die Einhaltung nachhaltiger Anlagekriterien (ESG). Diese Strategie hat sich bewährt, denn seit Ihrer Einführung hat sie den S&P 500 um ca. 2% übertroffen…

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175 Milliarden Euro Kosten verursacht der Klimawandel jedes Jahr. Maßgeblich daran beteiligt sind die Sektoren Industrie, Verkehr und Landwirtschaft. Um diesem Problem entgegenzuwirken hat die Europäische Kommission am 18. Juni einen Bericht über ein neues Klassifizierungssystem veröffentlicht – die EU-Taxonomie. Die EU-Taxonomie soll Investoren dabei helfen, in ihren Anlageentscheidungen die Aspekte „Reduzierung von Treibhausgasemissionen“ und „Erreichung der Klimaziele“ zu berücksichtigen…