„Chapeau!“

„Chapeau!“

Hut ab! Deutsche Privatanleger haben aus der Vergangenheit gelernt und zeigen sich in der aktuellen Börsenkrise besonnener als in früheren. Das geht aus einer Umfrage unseres Hauses hervor, an der gerade mehr als 1.000 Finanzdienstleister teilnahmen. U.a. fragten wir: „Haben Sie den Eindruck, dass Ihre Kunden aus den vergangenen Krisen gelernt haben und jetzt professioneller agieren?“ 78% stimmten der Aussage zu.

Eine gute Nachricht in Zeiten, in denen diese rar sind. Die Anleger haben bis jetzt allem Anschein nach mehrheitlich auf Panikverkäufe ihrer Wertpapiere verzichtet, ihre Sparpläne, so lange es die Liquidität zuließ, durchgehalten und wo möglich zugekauft, um Einstiegspreise zu verbilligen. Ja es scheint sogar zu sein, als wenn mancher die Quarantäne dazu genutzt hätte, endlich einmal seine privaten Finanzen zu ordnen. Wie wollte man sich sonst erklären, dass einzelne Onlineplattformen überdurchschnittlich viele neue Depoteröffnungen melden.

Bleibt die Frage, welchen Umständen wir diese Entwicklung neben der unermüdlichen Aufklärungsarbeit der Finanzberater und Medien verdanken. Sicherlich einem Mangel an attraktiven Anlagealternativen. Komfortable Rückzugsräume in Form attraktiver risikoarmer oder risikoloser Renditen gehören der Vergangenheit an. Darüber hinaus beließ der schnelle und heftige Corona-Kursrutsch wenig Reaktionszeit. Viele wollten mit Blick auf den entstandenen Schaden und den inneren Wert der Papiere nicht mehr verkaufen. Aber auch der Erfahrungsschatz dürfte eine Rolle spielen. Die Anleger haben aus vergangenen Krisen gelernt, wissen inzwischen um die Schwierigkeiten des Market-Timings und unterstellen Kurserholungen, die sie dank ausreichender Anlagehorizonte geduldig erwarten können.

Nachhaltigkeit? Jetzt gerade!

Nachhaltigkeit? Jetzt gerade!

„Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal etwas von Greta Thunberg gehört? Oder auch: „Der Corona- Virus hat für die (Um-)Welt in zwei Monaten mehr getan als staatliche Regulierung in fünf Jahren. Haben Sie Sätze dieser Art in den letzten Wochen auch schon mal gehört?

Vielleicht sind physische Versammlungen Marke „Fridays for Future“ derzeit aus der Mode, in jedem Fall aber untersagt. Viele Kinder würden jetzt freitags gerne zur Schule gehen und dürfen es nicht. Und ja, in den Kanälen Venedigs kann man vielerorts wieder den Grund sehen. Und auch die Luftaufnahmen chinesischer Metropolen zeugen von geringerer Smogbelastung. Schon hat der eine oder andere spirituell veranlagte Mensch die „unsichtbare Hand“ der Natur im Verdacht, ihr im Gewand des Virus im wahrsten Sinne des Wortes Luft zu verschaffen und der an ihr klebenden menschlichen Klette einen Denkzettel zu verpassen.

Die spannende Frage lautet aber doch eigentlich: „Wie wird sich die Situation verändern, wenn wir den sprichwörtlichen Riemen wieder auf die Orgel schmeißen und anfahren?“ Müssen die Schornsteine dann um jeden Preis rauchen? Kommt dann im Sinne der Bedürfnispyramide nach Maslow und der Dreigroschenoper nach Brecht wieder erst das Fressen und dann die Moral?

Wir wollen es nicht hoffen! Es wäre zu schade! Und eine ganze Menge Gründe sprechen dagegen. So steht beispielsweise nicht zu erwarten, dass die eingeleiteten Regulierungsmaßnahmen revidiert werden. Ganz im Gegenteil. Dringend benötigte staatliche Unterstützungen, Prämien und Kredite, können jetzt neben ökonomischen, auch an nachhaltige Bedingungen geknüpft werden. Nachhaltige Kapitalanlagen und Investitionen, können gefördert werden. Zudem haben die jüngsten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit die Menschen unfreiwillig digitalisiert und ihre Wertvorstellungen vielfach neu justiert und priorisiert, was längerfristig positive Verhaltensänderungen mit Blick auf das gesellschaftliche Zusammenleben, die Mobilität und den Verbrauch von Ressourcen bewirken könnte.

Wir dürfen die Chance nicht ungenutzt lassen, gerade jetzt, eine nachhaltigere Normalität zu schaffen, zu der wir wieder zurückkehren wollen.

Schirmherrschaft – Sustainability Congress 2020

Schirmherrschaft – Sustainability Congress 2020

Wir freuen uns, für den Sustainability Congress 2020 Joschka Fischer als Schirmherrn, Sprecher und Diskussionspartner gewonnen zu haben.

Die Vielseitigkeit der Perspektiven, die er als ehemaliger Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, als hessischer Umwelt- und Energieminister und langjähriger Außenminister der Bundesrepublik Deutschland auf gesellschaftliche und umweltpolitische Veränderungsprozesse einnehmen kann, lassen ihn quasi als Idealbesetzung unserer Schirmherrschaft für den Sustainability Congress 2020 erscheinen. -Umso mehr, als Joschka Fischer für Klartext-Aussagen und hohen Unterhaltungswert bekannt ist.

Wir dürfen gespannt sein, wie Fischer die aktuelle nationale und internationale Umwelt- und Energiepolitik inzwischen kommentiert und wie er vor dem Hintergrund seiner eigenen Biographie den Aufstieg der „Grünen“ und die Rolle außerparlamentarischer Initiativen wie beispielsweise „Fridays for Future“ und „Extinction Rebellion“ beurteilt.

Sustainability Congress 2019: Erfolgreicher Relaunch!

Sustainability Congress 2019: Erfolgreicher Relaunch!

Wie der Verlauf des „Sustainability Congress“ am 5. September zeigt, hat die mehrjährige Unterbrechung der Veranstaltungsreihe zwischen 2013 und 2019 dem Format in seiner nunmehr neunten Auflage keinen Abbruch getan. Es scheint vielmehr so, als hätte die selbst verordnete Pause die Konferenz inhaltlich belebt und in ihrer branchenweiten Akzeptanz weiter gestärkt. Rund 500 Finanzdienstleister und professionelle Investoren waren der Einladung der Drescher & Cie AG in das Kameha Grand Hotel nach Bonn gefolgt und zeigten sich angetan, diese zentrale Informations- und Netzwerkplattform zum Thema „nachhaltige Kapitalanlagen“ endlich wiederbelebt zu sehen.

Entsprechend motiviert, ließen sich die Besucher vom Schirmherrn des  Sustainability Congress 2019, dem ehemaligen Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsminister, Sigmar Gabriel, früh am Morgen auf den Tagungsverlauf einstimmen. Im Anschluss verfolgten sie zahlreiche Podiumsdiskussionen und Workshops und informierten sich an den Ständen der mehr als 40 ausstellenden Asset Manager, Versicherer, Rating- und Research Agenturen.

Zentrale Anlaufstelle des nachhaltigen Gedankenaustauschs bleibt nun in den kommenden Monaten, bis zum nächsten Treffen am 3. September 2020, wie schon in der jüngeren Vergangenheit, wieder die Online-Präsenz der Veranstaltung unter „sustainability-congress.com“. Auf dieser Internetseite können sich Finanzdienstleister mittels Webinaren, Podcasts, Videos und Textbeiträgen laufend rund um „Sustainable Finance“ informieren.

Wollte man die unzähligen Eindrücke, Anregungen und Informationen des Sustainability Congress 2019 zu einem Thesenkatalog ohne Anspruch auf Vollständigkeit verdichten, böte sich vielleicht der folgende an:

1. Der „Sustainability-Gedanke“ ist dabei, die Finanzindustrie nachhaltig zu verändern. Der Regulator, der Wettbewerb, die Nachfrage und der im Eindruck eines übermäßigen globalen Ressourcenverbrauch stehende gesellschaftliche Zeitgeist zwingen Anbieter und Vertriebswege regelrecht dazu, nachhaltige Anlagekriterien in ihre Strategien und Prozesse zu implementieren.

2. Die Komplexität der Thematik und die Vielfalt, mit der sie sich auf die unterschiedlichsten Geschäftsbereiche der Finanzdienstleister auswirkt, ist nicht zu unterschätzen. Sie lässt keine schnellen und einfachen Lösungen erwarten. Es ist ein langer Weg zu einer nachhaltig agierenden Finanzindustrie, der den Akteuren erheblichen Interpretations- und Gestaltungsspielraum belässt.

3. Nachhaltige Selektionskriterien sind vor diesem Hintergrund, wie der bisweilen emotionale Verlauf einzelner Diskussionen zeigt, kein ausschließlich technischer Vorgang, sondern vielfach auch eine Frage der Auffassung und der Konsequenz des Handelns, bisweilen sogar des Charakters.

4. Mit Spannung erwarten die Marktteilnehmer nach den Ankündigungen der EU zum „Sustainable Action Plan“ nun konkrete Vorgaben zur Taxonomie, sowie die Rahmenbedingungen zu einer nachhaltigeren Beratung der Kunden. Von diesen Details wird es abhängen, wie und mit welchen Auswirkungen der Gesetzgeber in die Räder der Finanzindustrie greift und wie diese Initiative beurteilt werden muss.

5. Die augenblickliche Dynamik des Themas und das Ausmaß seiner öffentlichen Wahrnehmung sind erfreulich, bergen aber die Gefahr von Aktionismus und Green-Washing. Ihnen muss, wo möglich, begegnet werden. Dessen ungeachtet steht zu erwarten, dass die Pioniere des Sustainability-Gedankens im Marketing-Getöse einer mehr und mehr auf Nachhaltigkeit bedachten Finanzindustrie in der Weise an Profilschärfe einbüßen, als ihnen ein Alleinstellungsmerkmal verloren zu gehen droht.

Zur Fotogalerie des Sustainability Congress 2019 und veröffentlichten Präsentationen einzelner Workshops, geht es hier:

 

Der Countdown läuft, noch 8 Wochen bis zum Congress!

Der Countdown läuft, noch 8 Wochen bis zum Congress!

Björn Drescher (Vorstand Drescher & Cie AG) zum aktuellen Stand der Planungen für den Sustainability Congress 2019